Flusswandern auf historischen Transportwegen

https://www.br.de/nachrichten/wirtschaft/paddler-paradies-inn-flusswandern-auf-historischen-wegen,S4EPxHC | Beitrag BR-24 vom 09.07.2020

https://www.br.de/mediathek/video/mehr-wert-09072020-paddler-paradies-inn-flusswandern-auf-historischen-transportwegen-av:5f07465e6a35340014f39d75| Beitrag BR-Fernsehen vom 09.07.2020

Quelle: BR Fernsehen, Ausstrahlung vom Donnerstag, den 09.07.2020 um 19:00 Uhr. Online verfügbar bis 09.07.2021

Paddler-Paradies Inn: Flusswandern auf historischen Transportwegen

Früher waren die bayerischen Flüsse wichtige Transportwege. Der Inn brachte Produkte von der Schweiz über Österreich nach Bayern. Inzwischen ist das Meiste auf Straßen und Schienen verlegt. Doch in der Region Rosenheim zeugt noch vieles von der Vergangenheit. 

Nußdorf: Absicherung durch Bruderschaften

Den Inn-Schiffleuten und den sogenannten Samern, die den Transport zwischen Fluss und Hinterland übernahmen, war stets bewusst, dass sie ihre lukrativen Handelsgeschäfte im schlimmsten Fall mit dem Tod bezahlten mussten. Deshalb sicherten sie sich in Bruderschaften oder Vereinen ab, wie in Nußdorf am Inn, wo 1635 ein Schiffleutverein gegründet wurde. 

"Was früher der Inn war, sind heute die Autobahnen", erklärt Johann Dettendorfer vom Schiffleutverein Nußdorf am Inn. Für die Gemeinden entlang des Inns bedeutet der Fluss Arbeitsplätze. Viele verdienten ihr Geld auf den Schiffen, als Samer oder als Knecht. "Bei Unglücken, Krankheiten oder ähnlichem hat man sich gegenseitig unterstützt", sagt Dettendorfer. 

Eine lange Tradition der Schifffahrt auf dem Inn

Noch heute hat der Schiffleutverein Nußdorf 500 Mitglieder, bei 2.500 Einwohnern. Und es gibt Schiffleut-Familien, die nach wie vor Waren transportieren - wie die Dettendorfers. Direkt am Inn ist der Hauptsitz der internationalen Spedition mit 13 Standorten und rund 650 Mitarbeitern. 

Die Firma hat eine lange Geschichte. "Der erste Transport, den wir nachvollziehen können, hat 1166 stattgefunden", sagt Georg Dettendorfer. Damals haben seine Vorfahren Südtiroler Wein ans Kloster Baumburg geliefert. Anschließend bauten die Dettendorfers das Geschäft aus mit weiteren Transporten als Inn-Schiffer oder als Samer. Im Jahr 1825 ist die jetzige Firma in die Gewerberolle eingetragen worden. "Seitdem hat unsere Firma eine kontinuierliche Entwicklung genommen", sagt Georg Dettendorfer. 

Die über Generationen gewachsenen Kontakte und Handelsverbindungen haben die Dettendorfers auch genutzt, nachdem die Inn-Schifffahrt überflüssig geworden war. Im Jahr 1895 gingen sie den Schritt vom Wasser zum Land und die Ware wurde nicht mehr über den Fluss, sondern auf Schienen transportiert. Im Jahr 1929 wurde der erste LKW in Betrieb genommen. Mittlerweile fahren mehr als 400 Lastwagen für die Spedition und die Transporte laufen in erster Linie über die Autobahn.